Dr. Velkoborsky im Tagesanzeiger
DER PROMI-ZAHNARZT VOM BELLEVUE
Für Zahnärzte ist Zürich ein gutes Pflaster (erstklassige Zahnmedizin, zahlungsfähige Patienten). Aber auch ein hartes (die Konkurrenz ist gross, vor allem seit der Invasion der Deutschen!). Einer, der es in diesem Geschäft zum mehrfachen Millionär gebracht hat, ist Vaclav Velkoborsky.
Wie schon der Name sagt, ist er Tscheche, aber längst eingeschweizert. Er wurde in Prag geboren, hat in Zürich studiert. Seinen harten Job des Zähnebohrens übt er längst nicht mehr täglich aus. Nur zweimal in der Woche schuftet er in seiner Praxis in Zürich, den Rest der Zeit lässt er andere für sich arbeiten. Dank seiner Erfindung Swissdent, einer Zahnkosmetik, die weissere Zähne verspricht und die er hat patentieren lassen, wurde er zum erfolgreichen Entrepreneur.
Ursprünglich kreierte er die Zahnpasta, das Antiaging-Treatment und die Zahnbürsten (im Toggenburg hergestellt), um sie seinen Patienten als Geschenk mitzugeben, doch bald produzierte er mit dem Ziel, weltweit zu verkaufen. «Wir machen 10 Millionen Franken Umsatz im Jahr; das ist nicht viel, wir sind ein Nischenprodukt», er verkauft in Asien, im Nahen Osten, in ganz Europa. Amerika gilt es noch zu erobern, deshalb flog er kürzlich nach Las Vegas, zur grossen Kosmetikshow. «Wir planen den Eintritt in den amerikanischen Markt im letzten Quartal 2010.» Seine Frau lebt in Prag, hat eine Distributionsfirma für Dentalkosmetik, bedient Tschechien und die Slowakei.
Was ist so speziell an den Swissdent-Produkten, dass man sie sogar patentieren lassen kann? Velkoborsky, der die Produkte mit Hilfe von zwei Chemikern entwickelte: «Es sind Enzyme drin, welche die Proteine spalten. Es ist eine chemische Reinigung durch Proteine. Zudem ist die Zahnpaste nicht zu aggressiv und schont den Zahnschmelz.»
Velkoborsky bewegt sich gern in der Welt des Jetset, und wenn man ihm zuhört, hat man das Gefühl, in seiner Praxis am Bellevue gäbe sich ganz Hollywood, vonJennifer Aniston (Bild) bis zu Quincy Jones und Paris Hilton die Türklinke in die Hand. Nun, Aerzte stehen ja unter Schweigepflicht und dürfen die Namen ihrer Patienten nicht nennen, und wahrscheinlich kocht auch Velkoborsky nur mit Wasser.
Sein Hang zum Namedropping allerdings ist unüberhörbar. Geld für Marketing jedenfalls gibt Velkoborsky keins aus. «Ich bin ein sparsamer Mensch». Den Beweis dieser Selbsteinschätzung liefert er gleich mit: Die zwei Säfte im Café Felix bezahlt er mit der Kreditkarte. Bargeld hat er keins bei sich (meist ein Indiz für einen sparsamen Menschen).
Statt Marketing betreibt er Networking. Velkoborksy ist der beste Netzwerker, den man sich denken kann. So zeigt er sich an allen wichtigen Events, zu denen er sich Zutritt verschaffen kann. Demnächst am Filmfestival in Venedig, wo er Jurypräsident Quentin Tarantino kennenlernen will.
Er war am Filmfestival in Cannes. Dort war er am 40.Geburtstag von Naomi Campbell (Bild), lernte Skandalnudel Mischa Barton (Bild) kennen. Dort mietete er, zusammen mit einem bekannten Filmproduzenten, ein Villa, man mietete ein Boot, schmiss Partys, zeigte sich auf allen Festen, verschenkte an die VIPs Proben der Swissdent-Produkte und hofft, dass die vielen Freunde, die man dort gewann, zu Patienten mutieren.
Wie genau Velkoborsky networkt, kann man demnächst am Schweizer Fernsehen sehen. Denn Vaclav Velkoborsky wurde von der Filmemacherin Astrid von Stockarendeckt. Die schwedische Doku-Filmerin und Produzentin kennen viele, die Schweizer Fernsehen schauen, seit sie die Hochzeit von Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel so souverän kommentiert hat.
Astrid von Stockar dreht einen Film über den geborenen Tschechen, der in der Schweiz seinen Weg als Unternehmer gemacht hat. Der Film unter der Rubrik Reporter wird im September am Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. Wie kommt Velkoborsky zu Astrid von Stockar? Der Networker haben sie auf eine Geburtstagsparty kennengelernt. Wo sonst?
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